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Hört auf Hass-Postings zu melden!

Meine Zahl des Jahres 2014 war: 213.

Das ist die Menge an Kommentaren, die ich allein bei Facebook gemeldet habe, um sie wegen Volksverhetzung aus dem sozialen Netzwerk entfernen zu lassen.
Tatsächlich entfernt wurden davon: 3.

Nun könnte man mir als links-grün-versifftem Gutmenschen natürlich unterstellen, dass ich jeden Post, der nur ansatzweise auf politisch rechte Gesinnung schließen lässt, gemeldet hätte.
Das ist nicht der Fall. Im Gegenteil. Ich vertrete sogar die Meinung, dass man mit rechter Denke in einer Demokratie ein Stück weit klar kommen muss – sofern sie sich klar an die Spielregeln hält.

Seit Anfang 2015 habe ich diese Handhabe verworfen.
 
 
 
Als mir Facebook in der Supportkonsole mitgeteilt hat, dass der Kommentar: „Drecks Juden! kill em all!“ nicht gegen die Gemeinschaftsstandards verstoße, war ich – wie ich finde berechtigt – anderer Meinung. Seitdem melde ich Kommentare gar nicht mehr. Ich zeige sie direkt bei der Polizei an und will hiermit dazu aufrufen, es mir gleich zu tun.
Da ich in letzter Zeit vermehrt darauf angesprochen wurde, wie, will ich das hier kurz beschreiben und die Hintergründe erläutern.

 

 

Online-Wachen

 

Online Wachen sind an sich eine sehr praktische Angelegenheit.
Es gibt sie in 11 der 16 Bundesländer und die Links zu den jeweiligen Auftritten findet ihr hier.

Es gilt aber genau darauf zu achten, über welche Internet-Wache Anzeigen erstattet werden können, und über welche nicht.

Am besten legt ihr euch die Wache eurer Wahl direkt in die Shortcuts.

Für die Wache in Bayern geht das selbstverständlich nicht. Denn das wäre ja fortschrittlich und… naja.. Bayern ist zwar wunderschön, aber die Politik halt leider scheisse.
Das würde den Aufwand natürlich enorm machen. Man müsste für jede Anzeige auf ein Polizeirevier oder die Polizei nach Hause bitten.

So ekelhaft Volksverhetzung nun ist, so hat sie aber dennoch einen großen Vorteil:
Volksverhetzung ist – im Gegenteil zur z.B. einfachen Beledigung – ein Offizialdelikt.
Das heißt: Die Behörden müssen bei Kenntniserlangung ermitteln – unabhängig davon, wo und von wem die Anzeige erstattet wird.
Und die Kenntnis erlangt sie durch die Anzeige bei einer Online-Wache eurer Wahl.

Dazu gesagt sein sollte aber: Wenn ihr z.B. in Bayern lebt, die Anzeige aber bei der Online-Wache NRW aufgebt, dann macht das den Beamten dort selbstverständlich Arbeit, denn sie müssen die Informationen an die zuständige Dienststelle weiterleiten.

Mein Appell ist also: Wenn ihr in einem Bundesland lebt, in dem die Anzeige via Online-Wache möglich ist, dann gebt sie auch dort auf.

Mein Appell ist aber auch: Sollte es die Möglichkeit in eurem Bundesland nicht geben, tut es dennoch! Das hat zwei Vorteile:

1. Die Hetzer werden angezeigt.

2. Die sinnvolle Einrichtung der Online-Wache wird forciert. Die sollte es nämlich schon lange in jedem Bundesland geben. Denn sie sind sinnvoll.

 

 

Wissenswertes

 

 

1. Die Erstattung der Anzeige ist anonym möglich. Gebt sie auch anonym auf! Wenn eure Daten abgefragt werden sollen, klickt einfach auf „weiter“. Ermittelt werden muss dennoch: Offizialdelikt! Macht davon Gebrauch! Ihr wollt nicht, dass eure Daten in die falschen Hände gelangen!

2. Glaubt nicht, dass ihr Denunzianten seid! Volksverhetzung ist kein Kavaliersdelikt und ebnet – wie man insbesondere in den sozialen Netzwerken sehen kann – den Boden für Hass und Gewalt!

3. Zeigt nicht alles an! Ich weiß, dass es manchmal schwer fällt sich Kommentare unter Berichten zu z.B. Heimen für Geflüchtete anzusehen. Dennoch solltet ihr nur das anzeigen, was auch tatsächlich gar nicht geht. Weder ein Hakenkreuz als Profilbild noch die Leugnung des Holocausts oder der Aufruf zur Gewalt gegenüber den Bewohnern der neuen Asyl-Unterkunft gehen auch nur im Ansatz!

4. Auch wenn nicht unter Klarnamen gepostet wurde – die Behörden haben die Möglichkeiten – unabhängig vom sozialen Netzwerk – den Postenden ausfindig zu machen.

5. Erstellt Screenshots von den Kommentaren. Erstellt sie so, dass sie möglichst klar erkennbar sind. Mit dem Namen oder Pseudonym des Accounts, der entsprechende Hassbotschaften gepostet hat, dem Inhalt des Posts und allem, was in irgendeiner Form relevant sein könnte. Es passiert nicht selten, dass die Personen die Posts selbst wieder löschen. Im Optimalfall könnt ihr sie bei der Online-Wache direkt mit im Anhang versenden und macht die Arbeit der Behörden so wesentlich einfacher. Wenn ihr nicht wisst, wie genau ihr das tun sollt, lest in den Kommentaren dieses Blog-Posts. Dort ist eine detaillierte Erklärung zu finden.

 

 

Schlusswort

 

 

Die Welt wird durch Strafanzeigen nicht besser.
Und ja, es mag durchaus stimmen, dass man die Menschen, die solchen Schrott von sich geben, damit nicht wieder „sozialisiert“ oder „abholt“.

Macht euch das aber auch nicht zur Aufgabe. Es sind in aller Regel genau diese Menschen, die danach verlangen, dass das „Rächt und Gesäätz!“ in Deutschland geachtet wird.
Gerade diesen sollte man dann auch unmissverständlich zu verstehen geben, dass sie, auch wenn sie in ihrer eigenen Filterblase aus Rechtsextremismus und Hass glauben im Recht zu sein, genau gegen dieses verstoßen.
Und glaubt auch nicht, dass das ja nichts ändert. Ich glaube sehr wohl, dass es die Rhetorik dieses einen Menschen zumindest öffentlich verändern kann.

Und Rhetorik ist in Zeiten wie diesen eine ganz, ganz scharf Klinge…

 

Das Land, das die Fremden nicht beschützt, geht bald unter.

– Mirza Abdul Hassan Khan