Gaypride_Budapest_jesus

Foto von G.dallorto

 

„Niederlage für die Menschheit“

 

Ich bin jetzt 31.

Ich war als kleiner Junge, als ich noch in Hilpoltstein – was für ein süßes Örtchen – gewohnt habe mal Ministrant. Das hatte nicht wirklich den Grund, dass ich wahnsinnig gläubig war. Viel mehr, dass ich schon als Knirps gern unter Menschen und Freunden war und es spannend fand, dass ich während der Messe mit den Glocken läuten durfte. Ich bezeichne mich heute als Agnostiker. Ich sehe keine Beweise dafür, dass es Gott™ gibt. Ich will aber auch nicht ganz ausschließen, dass etwas ähnliches existieren könnte.

Für eines allerdings habe ich Beweise: Dass sich die Kirche in den über 20 Jahren, die ich nun kein Ministrant mehr bin, keinen Meter weiter entwickelt hat – auch wenn sie sich das allzu gern selbst attestiert.

Der Kardinal-Staatssekretär Pietro Parolin sagte jedenfalls bezugnehmend auf das klare Ja zur gleischgeschlechtlichen Ehe in Irland:

 

Ich glaube, man kann […] von einer Niederlage für die Menschheit sprechen.

– Pietro Parolin

 

Ich stimme ihm zu. Das glaube ich auch. Die Niederlage fand allerdings im Vatikan statt.

 

 

Die großen Reformer

 

Pietro Parolin ist in der Kirche kein unwichtiger Akteur. Ich will und werde hier nun allerdings nicht die Kirchen-Hierarchie erklären, ihr seid ja schon groß.

Den Namen Tarcisio Bertone will ich allerdings sehr wohl in den Ring werfen. Dessen Nachfolger ist Parolin nämlich. Und da scheint er in mächtige Fußstapfen treten zu wollen, behauptete Bertone 2010 doch, dass es einen Zusammenhang zwischen Homosexualität und Kindesmissbrauch gäbe. Spätestens seit Papst Franziskus, der ja beinahe einstimmig als Reformer der katholischen Kirche gehandelt wird, sollte man also annehmen dürfen, dass nachweisliche Lügen und Diskriminierungen dieser Art unterbleiben würden. Parolin bewies das Gegenteil. Und der Reformer Franziskus setzt sogar noch einen oben drauf:

Er schweigt.

Die gesamte Kirchenlandschaft hüllt sich in Schweigen.

Keine Reue. Kein Wort der Entschuldigung. Nichts.

Offener Geist und gläubiges Herz. So heißt ein Buch des Papstes. Na hurra.

 

Godwin’s law

 

Godwin’s law ist ein eher ironisch angehauchtes „Naturgesetz“ das besagt, dass, je länger eine Diskussion dauert, die Wahrscheinlichkeit immer weiter steigt, dass jemand einen Nazi-Vergleich anstellt. In diesem Fall muss man das nicht tun. An sich fehlt in der Tat nur, dass Homosexualität wieder als Geisterskrankheit, sodomistisches Laster oder Erfindung gehandelt wird. Die katholische Kirche bedient sich hier einer Rhetorik, die erneut deutlich macht, warum die dringende Notwendigkeit der Anpassung des Artikel 3 des Grundgesetzes besteht. Hier ist nämlich noch immer nicht klar geregelt, dass Menschen ob ihrer sexuellen Orientierung nicht bevorzugt oder benachteiligt werden dürfen. Dennoch lehnt die Union diese Veränderung ab – wie übrigens auch die Festschreibung der Kinderrechte im Grundgesetz.

Na? Erkennt jemand einen Zusammenhang?

 

 

Was tun?

 

Ich für meinen Teil habe nun meine Entscheidung final getroffen. Natürlich, das ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Dass die Union für mich eine unwählbare Partei ist, sollte mittlerweile bekannt sein. Aber auch meine Mitgliedschaft bei der Kirche ist nun beendet. Nachgedacht habe ich darüber schon lange, habe mich allerdings bewusst nicht dafür entschieden, weil ich hier und da auch durchaus positives Engagement erkennen kann. Mittlerweile geht es aber nicht mehr darum, dass ich die Kirchensteuer lieber gezielt spenden will, sondern dass ich nicht guten Gewissens einer Sekte angehören will, die Menschen in einer Art und Weise herabsetzt, entwürdigt und beschimpft, die verachtenswerter kaum sein könnte.

Einer Sekte? Dominik!

 

 

Die Sache mit der Sekte

 

Ich behaupte von mir, in den überwiegenden Fällen Diskussionen sachlich und rational zu führen. Einen deutlichen Seitenhieb allerdings werde ich hier nicht vermeiden können.

Das Amtsgericht Berlin-Tiergarten entschied Anfang 2012, dass die katholische Kirche – wie angesichts des häufigen Kindesmissbrauchs durch Pfarrer geschehen – als „Kinderficker-Sekte“ bezeichnet werden darf.

– TAZ

 

Und bei einem bin ich mir als Agnostiker ganz sicher: Ich nehme dieses Urteil nicht nur ernst, sondern bin auch sicher, dass über kurz oder lang sowohl die Kirche, als auch die Union dafür abgestraft werden, dass sie ihre Homophobie wieder salonfähig machen wollen. Denn für mich zählt das Grundgesetz, das Menschen den Schutz zusichert, den sie offenbar brauchen, weit mehr, als die Worte von alten, verwirrten Männern. Also, liebe Kirche: Räumt endlich euren Sauhaufen auf.

 

Das übliche Zitat.

Smash Homophobia!

 

*Edit:

 

Das war’s. Macht’s gut und danke für den Fisch.

11063817_1593963143963345_4226246548149581400_n