Aus der Wikimedia. Autor: Atlasowa.

Aus der Wikimedia. Autor: Atlasowa.

 

 

[C]hristlich [S]ozialer [U]nsinn

 

Nun, dass ich kein Fan der Christsozialen in Bayern bin, dürfte nicht neu sein. Nicht nur das, ich halte sie sogar für gefährlich. Ich lasse mich seit einigen Jahren sogar zu der durchaus provokanten These hinreissen, dass sie gefährlicher ist als die NPD oder die mittlerweile ebenfalls antretende AfD. An „wer betrügt, fliegt“ können sich sicher noch alle erinnern. Skurril, wie lange das im Falle von der ehemaligen Sozialministerin und Staatskanzleichefin Haderthauer und ihren Machenschaften gedauert hat. Oder im Falle des Ex-Fraktionschefs Schmid. Oder aber bei Herrn Winter, der sogar seine Söhne als IT-Experten – im Alter von 13 und 14 – beschäftigte. Da hat das ganz schön gedauert, bis die „guten Vorbilder“ rausgeflogen sind, weil sie nachweislich betrogen haben. Und das, obwohl es bei weitem nicht um deren Existenz ging.

 

Der Grund, warum die CSU so gefährlich ist, ist, dass dieses bürgerlich wirkende Tun von Konservativen gar nicht mehr konservativ ist, sondern weit rechts der Mitte. Die Partei manifestiert das „Feindbild Ausländer“ auf subtile, aber tiefsitzende Art und Weise und sorgt so dafür, dass sich Rassismus am Stammtisch und in den Köpfen der Menschen weiter etabliert. Der Unterschied zu der absolut gehirntiefgefrorenen Idee, die jetzt aufkommt, ist, dass die CSU das bisher geschickt unter einem Deckmäntelchen aus angeblicher Kulturerhaltung, Integration – von Inklusion spricht in dem Laden erst gar keiner – und „Mia san Mia!“ Manier verbergen konnte. Das hat nun offenbar ein Ende. Die CSU steht offen dazu, dass sie die potentiellen Wählenden der krass rechten Lager für sich gewinnen will.

 

 

Was ist Populismus?

 

Ich habe das Thema in diesem Blog oft angesprochen. Ich hasse Populismus in der Politik. Zumindest dann, wenn er auf dem Rücken von Menschen ausgetragen wird, die sich nur bedingt wehren können. Denn ein Wahlrecht haben die meisten der in Deutschland lebenden Migranten noch immer nicht.

Was ist Populismus: Kurz gesagt verspricht man hier Dinge, die einen großen Teil der Menschen irgendwie interessieren. Sie müssen sich nicht wirklich damit auseinandergesetzt haben, haben aber eine Meinung dazu. Das Funktioniert super mit Dingen wie der Todesstrafe, dem Recht auf Asyl, Sozialleistungen oder eben Ausländern, die nach Deutschland kommen. Warum? Weil diese Themen emotional besetzt sind und jeder dahergelaufene Volksmusikant mit den Geschichtskenntnissen einer 5-Minuten-Terrine der Meinung ist, dass seine Meinung hier von Interesse wäre. Zum Beispiel:

  • Die Todesstrafe sollte für jeden gelten, der ein schweres Verbrechen begeht. Weil das ja viel billiger ist, als lange Gefängnisaufenthalte und diese Menschen eh keiner mehr lebend will. Faktisch falsch, kaufen aber viele Menschen.
  • Asyl sollte nur bekommen, wer es wirklich wirklich wirklich braucht. Ebenfalls ein riesen Schmarn, denn kaum jemand wird Familie, Freunde, Haus und Hof hinter sich lassen, wenn es nicht wirklich nötig ist.
  • ALG-II-Empfangenden sollen keinen Cent bekommen, wenn sie nicht bereit sind, für einen Euro Vögel in Bäumen zu zählen. Kann man ebenfalls machen, ist aber dann halt ein Verstoß gegen die Menschenwürde.

Genau diesem Instrument hat sich die CSU mal wieder erfolgreich bedient, allerdings krasser, als – meiner Meinung nach – je zuvor.

 

 

Solange ihr eure nicht Bayerischen Füße…

 

Die CSU fordert in einem Leitantragsentwurf – ich fände Leidantragsentwurf hier weit besser gewählt – dass Familien, die in Bayern leben, zuhause Deutsch zu sprechen haben. Die Gründe dafür sind – wie so oft – irgendwas mit Bayerischer Kultur, angeblicher Integration und dem ganzen anderen, altbekannten, zusammenfantasierten Bullshit. Selbstverständlich weiß die CSU, dass dieser Vorstoß ein völliger Schmarn ist. Vermutlich ist dieser Unsinn dem Horst in einem seiner feuchten Tagträume in einer gemütlichen Hütte bei einer Wanderung am Obersalzberg eingefallen und er hat sich gefreut, dass er nun mit dem seit Monaten immer intensiver aufkeimenden Thema „Angst vor den Fremden“ ein paar neue Wählerstimmen ergattern konnte. Natürlich weiß die CSU auch, dass dieser Vorstoß nicht ansatzweise kontrollierbar wäre – außer man würde genau die Methoden anwenden, die Horst Seehofer implizit dem neu gewählten Ministerpräsidenten Thüringens, Bodo Ramelow, unterstellt. Nämlich die Überwachung der Privaträume. Selbstverständlich würde die CSU das nicht tun. Das wissen wir und das weiß sie. Und umso dramatischer ist, dass sie so deutlich klarstellt, dass sie nur durch ihren widerlichen Rechtspopulismus punkten will. Nach dem Motto: „Solange ihr eure nicht bayerischen Füße unter unseren Tisch aus Massivholz (Eiche, hell) stellt, sagt ihr, dass Schnee schwarz ist, wenn wir das wollen!“

 

 

Was tun?

Diesem Verein endlich die rote Karte zeigen. Die CSU bereitet mit so einem Stuss weder Bayern, noch Deutschland, Europa oder die Welt auch nur im Ansatz auf die kommenden Herausforderungen vor. Sie sichert sich damit lediglich die Stimmen von – sorry – manipulierbaren Menschen, die ihnen diesen Schmarn ungeprüft abkaufen. Sie folgt damit dem Beispiel vieler rechter Parteien in Europa, die mit genau dieser Strategie Erfolg hatten. Sie forciert Vorurteile, elitäres Denken und Hass. Denn genau solche Entwürfe legitimieren viele Menschen vermeintlich dazu, eben genau diese Frage zu stellen: „Sprecht ihr daheim überhaupt Deutsch!?“ Eine Frage, die niemandem – auch und erstrecht nicht der CSU – zusteht.

 

 

Fazit

 

Liebe CSU: Findet euch endlich damit ab, dass eure von Blasmusik zerstörten Gehirnzellen damit klarkommen müssen, dass sich auch Bayern als Teil Deutschlands zu internationalisieren hat, offen sein muss und sich – das ist soziologischer Fakt – so entwickeln wird. Ob ihr es wollt oder nicht. Ihr seid nicht der Mittelpunkt des Universums und werdet euch damit abfinden müssen, dass Ali, James und Zhang künftig eure Vorgesetzten sein werden. Das liegt nicht daran, dass sie „billiger“ sind als ihr, sondern daran, dass sie es besser können. Wenn ihr „Näher am Menschen“ sein wollt, macht es vom Menschen abhängig, nicht von seiner Sprache oder Herkunft, Religion oder Sexualität. Ihr nervt. Im Übrigen: Ich habe beschlossen, dass ich die kommenden drei Monate kein Deutsch mehr sprechen werde. Daheim, beim Einkaufen, überall. Es ist mir auch egal, ob mich jemand versteht. Einfach nur, weil ich euch scheisse finde. Ich wäre dann fertig und zitiere mich heute selbst.

 

Lernt ihr doch Türkisch?!